Wissensbasierte Dienstleister sind bereits für rund 15 Prozent der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich. Allen voran steht dabei die Informationstechnologie. So erwirtschafteten die knapp 12.000 Wiener IT-Dienstleister vergangenes Jahr gemeinsam rund 11 Mrd. Euro – damit wurde sogar der Wiener Tourismus um das Dreifache überflügelt. Zudem handelt es sich bei der IT um eine vergleichsweise junge Branche mit guten Chancen für unseren Nachwuchs.

Dass die IT eine wichtige Lebensader der österreichischen Volkswirtschaft darstellt, steht also außer Frage. Umso mehr ärgert es mich, dass den Unternehmen das Leben hierzulande unnötig schwer gemacht wird. Das Problem ist die Rückständigkeit des heimischen Arbeitsrechtes. Hier hinkt das Recht der Arbeitsrealität massiv hinterher, was dem konkurrenzgeplagten IT-Sektor zu schaffen macht und vermehrt dazu führt, dass IT-Unternehmen ihren Standort ins Ausland verlegen.

SELBSTÄNDIGKEIT ALS WERTVOLLES GUT

Die Bevormundung geht so weit, dass heute immer mehr Selbstständige gegen ihren Willen in ein Dienstverhältnis gedrängt werden. Das ist auch bis zu fünf Jahre rückwirkend möglich und die von den Gebietskrankenkassen eingeforderten Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge belaufen sich dabei schnell auf zehntausende Euro. Das gefährdet das Unternehmen des Auftraggebers, verhindert weitere Aufträge für den freien Dienstleister und schadet dem gesamten Wirtschaftsstandort Wien. Grund dafür ist, dass Gesetze – Stichwort Werkvertrag – zur Anwendung kommen, deren Ursprung noch in der Monarchie liegt. Die Art und Weise des Arbeitens hat sich mittlerweile allerdings stark verändert. In einer modernen Dienstleistungsgesellschaft sind vorwiegend Knowhow und Kreativität statt Muskelkraft und handwerkliches Geschick gefragt.

„NINE TO FIVE“ NICHT ZEITGEMÄSS

Schutz für jene, die ihn brauchen, ist wichtig und richtig, aber die wirklich Schutzbedürftigen sind in unserer Branche nicht zuhause. So wollen etwa 96 Prozent aller Selbstständigen in den Bereichen IT, Buchhaltung und Unternehmensberatung nichts von ihrer Unabhängigkeit einbüßen. Vor allem junge Leute genießen es, ihr eigener Chef zu sein und sich die Arbeitszeiten frei einzuteilen – „Nine to Five“ ist ein Auslaufmodell. Gerade in der IT ist die Präsenzkultur am Arbeitsplatz überholt.

Was wir brauchen, ist der Mut zu Reformen und klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die auch auf die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt Rücksicht nehmen. Vertreter aller in der Fachgruppe vertretenen Fraktionen ziehen dabei an einem Strang und fordern eine moderne Neuinterpretation der Werkverträge.